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Abschluss in besonderen Zeiten

von T. Ippisch

Feierliche Zeugnisübergabe an die Absolventen der Oberschule Bad Essen

So manche Träne wurde von Schülern und auch Lehrern verdrückt, als es galt, Abschied zu nehmen. Die 107 Abschlussschüler der Oberschule Bad Essen haben eine wichtige Etappe in ihrem Leben gemeistert und sind gespannt auf das, was nun kommen wird.

In den Wochen zuvor hatte vieles in den Sternen gestanden. Würde ein gemeinsamer Abschluss in der Aula überhaupt genehmigt werden? Oder dürfte das Zeugnis am Ende nur verschickt werden? Nach einigem Hin und Her stand ein Kompromiss, mit dem sich alle arrangieren konnten. Es gab eine Abschlussveranstaltung in der Aula, allerdings im kleinen Rahmen. Während sonst der gesamte Jahrgang 10 und die Abschlussschüler des Jahrgangs 9 samt Eltern und Geschwistern, die Schulleitung, das Kollegium und die Mitarbeiter der OBS sowie geladene Gäste die Aula füllen, standen dort nun auf Abstand gestellte Stühle. Beginnend mit der 10a bekam jede Klasse sowie die Abschlussschüler der neunten Klassen ihre eigene Veranstaltung.

Dennis Gilbert Foto Pescht

Die einzelnen Klassen hatten sich untereinander bereits über drei Monate nicht gesehen, da die Lerngruppen halbiert worden und an unterschiedlichen Tagen in der Schule gewesen waren. So war es nicht einfach, sich nach dieser langen Zeit und bei diesem Anlass nicht gegenseitig um den Hals zu fallen. Auch den Klassenlehrern Gesa Tiemeyer 10a, Michaela Riedelsperger 10b, Claudia Worm 10c, Daniel El-Sibai 10d und Beate Klenen 10e, merkte man an, dass sie froh waren, ihre Klasse noch einmal vollständig sehen und die Zeugnisse persönlich überreichen zu dürfen.
Auf Gesangsdarbietungen musste aufgrund der Bestimmungen verzichtet werden, aber die Musiklehrerin Dorothea Horstmann-Meyer, die sonst den nun ausgefallenen ökumenischen Gottesdienst musikalisch leitet, ließ es sich nicht nehmen und übernahm die Begleitung beim Ein- und Auszug der einzelnen Klassen am Klavier.
Die Schüler, die nicht nur auf den Abschlussgottesdienst und das Buffet im Anschluss an die Zeugnisausgabe, sondern vor allem auch auf die Abschlussparty am Abend verzichten mussten, machten das Beste aus dem Tag. Schülerinnen, die sich schon vor längerer Zeit ein Kleid für die Abschlussparty besorgt hatten, führten dieses nun kurzerhand zur Zeugnisausgabe aus und auch viele Herren trugen Anzug. Es herrschte eine festliche Atmosphäre, als die Klassenlehrer zuerst das Wort ergriffen.

Dennis Gilbert Foto Pescht

Die Reden, die sonst auf fünf Minuten in der Kirche begrenzt waren, fielen deutlich länger und persönlicher aus; oft wurde jeder Schüler einzeln angesprochen. Auch Schulleiter Kurt Rieke fand für jede Klasse persönliche Worte und ehrte jeweils den Schüler mit dem besten Zeugnis der Klasse.

Dennis Gilbert Foto Pescht

Vanessa Neb und Karen Albers würdigten als Vertreterinnen des Fördervereins die Schüler mit besonderem sozialem Engagement mit einem Präsent. Auch die Schüler hatten Geschenke besorgt, Blumen gekauft und Briefe geschrieben, mit denen sie sich bei ihren Klassenlehrern für die Begleitung der letzten Jahre bedankten. Und sie konnten stolz sein auf ihre Leistungen: Die Oberschule vergab acht Abgangszeugnisse, dreimal den Abschluss der Förderschule im Förderschwerpunkt Lernen, acht Hauptschulabschlüsse und 24-mal den Sekundarabschluss I - Hauptschulabschluss. 23 Schüler erreichten den Sekundarabschluss I - Realschulabschluss und stolze 44 Jugendliche den Erweiterten Sekundarabschluss I, der den Besuch des Gymnasiums ermöglicht.

Die Arbeitsgruppe der Elternvertreter der 10. Klassen hatte für alle Absolventen eine Überraschung in Form einer mit allerlei Nettigkeiten gefüllte Erinnerungstasse vorbereitet. Der Erlös, der beim Verkauf von selbstgebackenen Keksen auf dem Weihnachtsmarkt eigentlich als Gage für den DJ der Abschlussparty vorgesehen war, kam so nicht nur den Schülern zugute. Den Rest des Geldes spendeten sie zu jeweils zur Hälfte der Schule und dem Jugendzentrum TriO. Die Schulsozialarbeiterin Karen Albers hatte mit der Elternratsvorsitzenden Claudia Nordsiek einen schokoladigen Brief mit den besten Wünschen vorbereitet.

Im Anschluss an die klasseninternen Veranstaltungen sollte es Einzelfotos geben, die später als Collage zu einem Klassenfoto zusammengefügt werden sollten. Doch der Fotograf hatte eine bessere Idee. Er nahm die Treppe zu einem Klassenraum im ersten Stock und verteilte die Jugendlichen auf dem Schulhof durch Zuruf so, dass der Sicherheitsabstand gewahrt wurde, er jedoch trotzdem ein richtiges Klassenabschlussfoto schießen konnte. Das war der letzte Akt der Jugendlichen an ihrer alten Wirkungsstätte.

Und nun? Fünf Schüler wiederholen freiwillig die zehnte Klasse, um einen besseren Abschluss zu erlangen. 14 Schüler möchten ihr Abitur machen, 54 gehen auf eine berufsbildende Schule und 33 haben ihren Ausbildungsvertrag in der Tasche.

Ein Zitat aus dem Brief einer Abschlussschülerin bringt es auf den Punkt: „An vielen Kreuzungen sind wir abgebogen, manche blieben im Kreisverkehr. Manche kamen später dazu, die anderen bretterten bereits mit 180 km/h auf der Autobahn vorbei. Trotz all der Ampeln und Baustellen, Umleitungen und Ausfahrten, ertönt nun eine Stimme: Sie haben Ihr Ziel erreicht. Wir schauen zu Ihnen auf den Fahrersitz und sagen danke. Und steigen am 26.06.2020 aus.“

Claudia Worm

Den Artikel des Wittlager Kreisblatts zum Schulabschluss 2020 an der Oberschule Bad Essen finden Sie hier.

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